PAÑSTWOWA WY¯SZA SZKO£A ZAWODOWA

W WA£CZU

INSTYTUT HUMANISTYCZNY

 

 

 

 

 

 

IWONA KOWALSKA

SPRACHENTWICKLUNG BEI DEN KINDERN

 

 

 

 

 

Praca dyplomowa

napisana pod kierunkiem

doc. hab. prof. Marka Cieszkowskiego

 

 

 

 

 

 

WA£CZ 2008

PAÑSTWOWA WY¯SZA SZKO£A ZAWODOWA

W WA£CZU

INSTYTUT HUMANISTYCZNY

 

 

 

 

 

 

IWONA KOWALSKA

ROZWÓJ MOWY U DZIECI

 

 

 

 

Praca dyplomowa

napisana pod kierunkiem

prof. Marka Cieszkowskiego

 

 

 

 

 

 

 

WA£CZ ( 2008 )

                                                                                                                ……….……………………

(miejscowoϾ, dnia)

 

OŒWIADCZENIE

 

Oœwiadczam, ¿e przek³adan¹ pracê dyplomow¹ napisa³em/-am samodzielnie. Oznacza to ,¿e przy pisaniu pracy poza niezbêdnymi konsultacjami, nie korzysta³em/-am z pomocy innych osób, a w szczególnoœci nie zleca³em/-am opracowywania rozprawy lub jej czêœci innym osobom, ani nie odpisywa³am tej rozprawy lub jej czêœci od innych osób. Jednoczenie przyjmujê do wiadomoœci, ¿e gdyby powy¿sze okaza³o siê nieprawdziwe, decyzja o wydaniu mi dyplomu bêdzie cofniêta.

                                                                                       

                                                                                                             …………………

                                                                                                                      (podpis)

 

OŒWIADCZENIE

 

Wyra¿am/ nie wyra¿am zgodê/zgody* n udostêpnienie mojej pracy dyplomowej

p.t.: Rozwój mowy u dzieci

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort ………..……………………………………………………….……………... 3

1.      Theoretischer Teil……………………………….………………...……………... 4

1.1.           Zum Begriff der  Kommunikation…….…………………………...… 4

1.2.           Sprache und Sprechen ……….…………………………………….. 6

2. Die Sprachentwicklung…………………………………………………………… 9

2.1.     Die Sprachentwicklung in der pränatalen Periode……………..…. 9

2.2.     Die Sprachentwicklung in der postnatalen Periode….…….……. 11

3. Die Artikulation………...……………………………………………………….... 15

4. Satzbau……………..…………………………………………………………..... 22

5. Schlusswort ………...……………………….…………………………………… 27

Literaturverzeichnis………………………………………………………………… 28

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

vorwort

Zum Gegenstand der Arbeit wird die Entwicklung, der Erwerb und das Erlernen der Sprache bei den Kindern gemacht. Die vorliegende Arbeit analysiert die Phasen der Kinderentwicklung mit Rücksicht auf die (Mutter-) Sprache, d.h. sowohl auf die Artikulation jeder Laute, als auch auf den Satzbau und die Grammatikbeherrschung. 

Die Inspiration war die Frage: wie man die Sprache erwirbt? Beginnt das Sprachlernen der Muttersprache erst nach der Geburt oder früher – noch in der pränatalen Zeit? Besonders die Lektüre von Helmut Gipper „Kinder unterwegs zur Sprache“ hat uns dazu veranlasst, die Frage: wie ein Kind sich gleich nach der Geburt kommuniziert, wie es seine Sprache entwickelt oder wie erlernt das Kind ein System von Zeichen, das in seiner Gesellschaft gilt, näher zu behandeln.

In dieser Arbeit werden die Begriffe Kommunikation, Sprache und Sprechen als eine Einführung zu dem Hauptthema erklärt. Im ersten Kapitel findet man die Informationen, was die Kommunikation bedeutet und welche Kommunikations-arten sich unterscheiden lassen. Weiter wird sowohl über die Sprache und ihre Bestendteile als auch über die Sprechfähigkeit reflektiert. Im zweiten Kapitel wird die Sprachentwicklung bei den Kindern sowohl in dem pränatalen, als auch im postnatalen Zeitraum beleuchtet. Die Artikulationsorgane und ihre Funktionen, die eine wichtige Rolle beim Sprechen spielen, werden im getrennten Kapitel dargestellt. Den Fragen der Syntax ist das fünfte Kapitel gewidmet. Die Arbeit wird mit einem Schlusswort beendet.

 

 

 

 

 

1. Theoretischer Teil

1.1.       zum begriff der kommunikation

 

Der  Mensch kommt zur Welt ganz hilflos. In seinem ersten Lebensjahr ist er von anderen Menschen abhängig, die ihn stillen, sich um seine Hygiene und Sicherheit kümmern, zumal alle Notwendigkeiten erledigen.  Sehr wichtige Rolle spielt dabei die Kommunikation. Was bedeutet eigentlich Kommunikation? Im Deutschen Universalwörterbuch (=DUW) gibt es folgende Definition:  Kommunikation [lat. communicatio = Mitteilung, Unterredung]: Verständigung untereinander; zwischenmenschlicher Verkehr bes. mithilfe von Sprache, Zeichen.  (DUW 2003, CD-ROM)

Im Lexikon der modernen Linguistik liest man dagegen: „1. Ursprünglich: Austausch von Informationen. 2. Bezogen auf menschliche Zivilisation ist Kommunikation eine Grundvoraussetzung für den gesellschaftlichen Reprodu-ktionsprozeβ. Dabei stellt die sprachliche Kommunikation im Normalfall (verbale Kommunikation) die entscheidende Voraussetzung für jede Art von sozialer Interaktion dar.  3. Der Begriff (sprachlichen) Kommunikation setzt, vom Monolog einmal abgesehen, das Vorhandensein von mindestens zwei Kommunikationspartnern voraus, die entweder schriftliche oder mündliche bestimmte Inhalte (Meinungen, Sachverhalte usw.) austauschen. Im Prozeβ der Kommunikation vollziehen die Kommunikationspartner unter Berücksichtigung des gewählten Themas, der Kommunikationssituation, der Kommunikativen Absicht und des jeweiligen Kommunikationspartners Sprachhandlungen. Ergebnis derartiger Sprachehandlungen sind mündliche bzw. schriftliche Texte.“ (Lipczuk/ Mecner/ Westphal 1999, S. 127-128)

Man unterscheidet zwei Arten der Kommunikation: verbale und nonverbale Kommunikation.  Zur verbalen Kommunikation gehören alle Mitteilungen, die man mündlich äußert. Diese Kommunikation erfolgt rein akustisch. Mit der mündlichen Kommunikation verbinden sich solche Begriffe wie Stimme und Prosodie. Die Hauptmerkmale der Stimme sind die Stimmlage (Färbung einer Stimme: tiefe, hohe Stimme, Altstimme), der Stimmumfang (Tonhöhenumfang), das Stimmvolumen und die Stimmqualität (Knarrstimme, behauche Stimme, schneidende, zittrige Stimme etc. Wenn man über die Sprachprosodie spricht, denkt man an Akzent, Pausen, Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit oder Rhythmus.) (vgl. DUDEN-Grammatik 2005, S. 1205-1206) 

Die wahrscheinlich älteste Form der Verständigung ist die nonverbale (nichtsprachliche) Kommunikation. Nonverbal bedeutet nicht mithilfe der Sprache, sondern durch Gestik, Mimik oder optische Zeichen vermittelt. (DUW 2003, CD-ROM) Auch Kinder verständigen sich nach ihrer Geburt mit Hilfe der nonverbalen Zeichen. Wenn man über nichtsprachliche Kommunikation reflektiert, denkt man an Körpersprache. Dazu zählen u.a.: Mimik, Blickkontakt, Lidaufschlag, Augenöffnung, Gestik, Kopfbewegung, Haltung des Oberkörpers, Beinhaltung und Armhaltung.

Kommunikation bedeutet, dass wir jemandem etwas mitteilen wollen, übermitteln möchten, z.B. Informationen über unsere Verfassung, Gefühle oder Bedürfnisse. Damit eine Kommunikation möglich wird, muss sie aus sechs Komponenten bestehen:

ü       die Informationsquelle,

ü       die Verschlüsselung,

ü       die Nachricht,

ü       den Kanal,

ü       die Entschlüsselung und

ü       den Empfänger.

Das wahrscheinlich berühmteste Kommunikationsmodell haben Shannon und Weaver geschaffen.

 

 

 

 

Das Kommunikationsmodell von Shannon & Weaver

 

 

 

                                

 

Bild 1. Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver. (www.home.schule.at/  teacher/froschauer/ Doks/Shannon%20&%20Weaver.doc [30. 05. 2008])

 

Dieses Modell kann man auf folgende Art und Weise erklären: „Die Kommunikation ist ein linearer Prozeß, in dessen Mittelpunkt das Signal steht. Das Prinzip des Shannon & Weaver-Modells ist, daß jede menschliche Kommunikation eine Quelle (information source) hat. Diese Quelle ist der Sender, der seine Nachricht (message) in Form eines Kodes über einen Kanal (transmitter) weitergibt.“ (www.home.schule.at/teacher/froschauer/Doks/Shan-non% 20&%20Weaver.doc [30. 05. 2008])

In diesem Teil konzentrierten wir uns mehr auf Kommunikationsarten als auf gängige Modelle der Kommunikation. Das Erörtern der Kommunikation in den verbalen und nonverbalen Aspekten wird im weiteren Teil der Arbeit nötig, damit man die Sprachentwicklung bei den Kindern besser verstehen kann.

 

 

 

 

1.2.       sprache und sprechen

 

Was ist eine Sprache? Duden definiert die Sprache als „a) (historisch entstandenes u. sich entwickelndes) System von Zeichen u. Regeln, das einer Sprachgemeinschaft als Verständigungsmittel dient; Sprachsystem   b) System von Zeichen (das der Kommunikation o. Ä. dient)“ (DUW 2003, CD-ROM)

 Wozu braucht man Sprache? Mit der Sprache können wir  „eigene Wünsche und Vorstellungen äußern, neues Wissen über die Welt erwerben und vor allem mit seinen Bezugspersonen kommunizieren“. (Hellrung 2002,      S. 10)

In jeder Sprache gibt es 4 Schichten:

ü     Das phonetisch-phonologische Subsystem (Phonetik ist „Wissenschaft von den sprachlichen Lauten, ihrer Art, Erzeugung u. Verwendung in der Kommunikation.“ (DUW 2003, CD-ROM) Phonologie beschäftigt sich mit Phonemen und „im Gegensatz zu Phonetik beschreibt die Phonologie die Laute als Bestandteile eines kontinuierlichen Sprachsignals nicht vollständig, sondern nur in Hinsicht auf ihre sprachliche Funktion.“ (DUDEN-Grammatik 2005, S. 32)

ü     Das morphologische Subsystem (Morphologie beschäftigt sich mit verschiedenen Wortarten (Wortklassen), wie: Substantiv, Verb, Adjektiv, Artikel, Adverb, Präposition, Konjunktion, Pronomen, Zahlwörter und Interjektion)

ü     Das syntaktische Subsystem (Syntax ist Satzlehre)

ü     Das lexikalische Subsystem (Lexikologie befasst sich mit der Erforschung des Wortschatzes [z.B. mit der Struktur].)

Die Sprache wird vom Kind erst dann erworben, wenn er alle 4 Substrukturen des Systems beherrscht.

 Eine Voraussetzung für das Zustandekommen der Kommunikation ist die Beherrschung der selben Sprache. Ohne Sprechfähigkeit ist die verbale Kommunikation kaum möglich. Unter dem Begriff Sprechen ist Sprachlaute, Wörter hervorbringen, bilden zu verstehen. (DUW 2003, CD-ROM)

Die Lautbildung (Artikulation), die Atmung (Respiration) und die Stimmerzeugung (Phonation) sind die physiologische Basis des Sprechens.  Außerdem ist das verstehende Hören bei der mündlichen Kommunikation notwendig. Zu den Fähigkeiten, die für eine effektive verbale Kommunikation entwickelt werden müssen, gehören:

1.      Die Lokalisierung von Schallquellen

2.      Die Entschlüsselung von Lautzeichen

3.      Die Aufnahme von Schallintensität, Stimmklang und Schalldauer.

Alle Behinderungen der Hör-, Sprech oder Stimmorgane können erhebliche Kommunikationsstörungen hervorrufen. (vgl. Lipczuk/ Mecner/ Westphal 1999, S. 206)

Sprache und Sprechen spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Kommunikation. Ohne Sprachkenntnisse und Sprechfähigkeiten (Artikulation der einzelnen Laute) kann es zu den Störungen der verbalen Kommunikation kommen.

Das Erlernen der korrekten Sprache dauert bis zum ca. sechsten Lebensjahr. Erst nach dieser Zeit kann ein Kind mit anderen relativ frei sprechen und sich ergebnisreich verständigen.

Wie es sich aus dem Kapitel ergibt, ist der Erwerb der Sprache und Kommunikationsfähigkeit kein einfacher Prozess. Das Kind braucht Zeit und Mühe, um die Sprachrichtigkeit zu ererben. Die Sprechakttheorie wurde in der Arbeit nicht beachtet, weil sie keine wichtigen Elemente sind, die bei der Vorstellung des Hauptthemas helfen, obwohl sie zweifellos essentiell bei dem Begriff „Sprache und Sprechen“ sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. die sprachentwicklung

2.1. die sprachentwicklung in der          prÄnatalen    Periode

 

Das Sprachlernen und die Kommunikation eines Kindes mit anderen beginnt schon vor seiner Geburt, im Embryoleben. Bevor ein Kind sein erstes Wort ausspricht, kann es sich mit der Mutter während der Schwangerschaft mittels biologischen Wegs kommunizieren. Beispielweise, wenn ein Kind hungrig ist, verspürt die Mutter Heißhunger. Auch einige Spracherfahrungen erwirbt der Fötus vor der Geburt, weil sich in der 25. Woche die Hörwerkzeuge ausbilden. Dadurch reagiert das Kind auf mütterliche Stimme und eignet sich einige prosodische Elemente der Sprache (u.a. Betonnung, Rhythmus, Melodie) an.

Uta Hellrung nennt noch weitere Charakteristika dieser Periode:

Ab dem zweitem Schwangerschaftsmonat gewinnt dann mehr und mehr der sensomotorische Dialog an Bedeutung. Das Kind spürt die Bewegung und Schritte der Mutter, etwa ab dem 6. Monat schlägt ein Herz schneller, wenn es die Stimme der Mutter hört. Die Mutter registriert ihrerseits die Bewegung ihres Kindes. Sie nimmt wahr, wenn es schlägt, wann es wach ist, welche Schlaflage sie einnehmen muss, damit es ruhiger wird, und bei welchen Geräuschen es sich erschreckt.      

         ( Hellrung 2002, S. 12)

Das Kind kann schon direkt nach der Geburt die Stimme der Mutter erkennen, auch die Stimmen, die während der Schwangerschaft in der Nähe der Mutter aufgetreten sind. Da es sich die Prosodie der Muttersprache schon angeeignet hat, kann das Kind die Sprache und die Absichten der Sprechenden früher verstehen, bevor es selbst erste Wörter ausspricht.

 Im Folgenden wird in einer Tabelle die Sprachentwicklung des Kindes in der pränatalen Periode dargestellt.

Tabelle 1.  Die Sprachentwicklung beim Kind

L.p.

Zeit der Sprachentwicklung

Sprachentwicklung des Kindes/Embryos

1.

zwischen der 6. und 7. Woche

die Muskeln und Nerven beginnen ihre Mitarbeit, die Oberlippe wird aktiv.

2.

zwischen der 12. und 13. Wochen

Das Embryo beginnt die Lippe nach oben zu bewegen. Das ist ein Einleitungsstadium, das zur Entwicklung der Reflexbewegung des Sogs führt. Die Stimmbänder bilden sich heraus und das Kind  kann schon weinen. Es kann auch das Fruchtwasser schlucken. Die Geschmackempfindlichkeit wird herausgebildet und es verspürt den Hunger. Schon in der 3. Woche gibt es spontane Bewegungen des Brustkorbes, die ein erster Versuch der Atmung sind.   

3.

in der 14. Woche

Die Phonation– und Atemmuskeln beginnen zu arbeiten.

4.

in der 17. Woche

Die Lippen sind hervorgetreten; das Kind fängt an zu saugen.

5.

 

zwischen der 24. und 25. Woche

Der Prozess der Gehirnbildung ist nach der 24. Woche abgeschlossen und seine Struktur verändert sich nicht mehr. Der Fötus empfängt die Töne aus der  Umgebung stärker, deswegen kann er sich die prosodischen Eigenschaften der Sprache schon im Mutterschoβ aneignen.

(vgl. www.adalexpsychologia.web-park.pl/felis3.doc [15. 12. 2007])                   

2.2.  Sprachentwicklung in der                 postnatalen periode

Kinder sind schon nach der Geburt im Stande, sich die Sprache anzueignen und durch den Zugang zur Sprache einen Lernerfolg zu erreichen. Die Zeit zwischen der Geburt und dem Auftreten der ersten Wörter ist sehr wichtig, weil die Kinder viele wichtige kommunikative Erfahrungen machen, die eine Basis für die Sprachentwicklung sind. (vgl. Hellrung  2002, S. 11)

Zeigen der Emotionen und Gefühle ist für kleine Kinder weniger kompliziert als die Beherrschung der Sprache. Diese Fähigkeit entwickelt sich relativ langsam. Die Sprachentwicklung eines Kindes dauert ca. 6 Jahre, bis es die Sprache (Laute und Grammatik) gut beherrscht hat. Es muss auch ausreichenden Wortschatz besitzen, um erfolgreich mit der Umwelt zu kommunizieren.

In den ersten Lebensmonaten, gleich nach der Geburt kommuniziert das Baby nur mit Hilfe von Schreien, Quieken, Weinen oder Mimik. Es gibt beiderseitiges Lernen, nämlich die Eltern lernen, wie sie die Intentionen aller dieser Signale ablesen sollen, um das Kind zu verstehen (oder ihm zu helfen). Das Baby dagegen lernt die Relationen, die zwischen seinem Verhalten und Reaktionen der Eltern auftreten. Der Schrei und das Weinen sind nach Intensitätsgrad oder Modulation unterschiedlich. Anders klingt der Schrei, wenn das Kind Schmerzen, und anders, wenn es Hunger hat. Diese Abhängigkeiten kann am besten die Mutter unterscheiden, weil sie schon intuitiv fühlt, was dem Kind fehlt. Das Kind assoziiert sich, dass die Mutter gleich nach seinem Schrei erscheint. Das ist eine Art des Mitteilens, aber auch eine Übung des Atemorgans, ein Training der Stimme und (hörbarer) Ausdruck von Gefühlen. Das Kind führt mit der Mutter einen spezifischen Dialog, der im Alter von 3 bis 4 Monaten beobachtet wird, in dem das Kind jedoch keine Wörter benutzt. In dieser Zeit spricht ein Kind nur die Gurgellaute, wie: g, gli, k, kli, tli. Manche zählen die Zeit zur ersten Lallphase, andere zur Melodieperiode, die  bis zum ersten Lebensjahr dauert. Diese Phase ist eigentlich bei allen Kindern auf allen Kontinenten zu beobachten, sogar bei tauben Kindern. Das ist eine bedingungslose Reflexbewegung. Sie tritt nur dann auf, wenn die Kinder entspannt und zufrieden sind. Die Artikulationsorgane bereiten sich in diesem Zeitraum zu der Aussprache verschiedener Laute, Töne vor.

Mit ca. 6. Monaten beginnt eine andere Entwicklungsphase, nämlich die Lallphase (für einige Forscher die zweite Lallphase). Die meisten Kinder spielen in dieser Zeit oft mit den Verschluss- und Öffnungslauten. Schon bewusst artikulieren sie die ersten Silben wie: ma, ba, ta, da, pa… Später wiederholen sie ständig ganze Silben, aber noch ohne Bedeutung (ma-ma, ba-ba…).

So entstehen die sogenannten Silbenketten, die das einjährige Kind ausspricht. Aus den Silbenketten entstehen erste Wörter. In dieser Zeit entwickeln die Kinder neben dem Lautlernen die Fähigkeit der nonverbalen Kommunikation. Nach und nach verstehen die Kinder mehr und können sogar Anweisungen tun. (vgl. Hellrung 2002, S. 15)                                                            

Im ersten Lebensjahr lernt das Kind die Grundstrukturen der Sprache, d.h. es beherrscht nicht nur die Sprache, sondern versteht auch die Intentionen und Absichten des Gesprächspartners. Bevor das Kind einzelne Wörter versteht, liest es fehlerlos die Stimmung der sprechenden Person ab. Satzmelodie, Tönen und  Tonhöhe spielen dabei eine wichtige Rolle, wenn das Kind die Gefühle oder Intentionen des Redners interpretieren will. Es gibt ein Intonationsmuster, das für bestimmte Sätze charakteristisch ist und dem Kinder bei der Ablesung der Absichten des Sprechers hilft.

Solches Intonationsmuster wird unten vorgestellt und es ist wichtig, weil es einen Einfluss bei der Sprachentwicklung des Kindes hat.  

 

Die Intonationsmuster hat Gisela Szagun in ihrem Buch graphisch wie folgt dargestellt.

 

 

 

 

Tabelle 2. Intonationsmuster für Vokalisierung, die Zustimmung, Verbot, Erregung der Aufmerksamkeit und Beruhigung ausdrücken (Szagun 1996, S. 189)

 

                 britisches     amerikanisches      Deutsch        Französisch        Italienisch   

skan7 Englisch            Englisch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Szagun hat diese Intonationsmuster so  beschrieben:

Die Konturen der Intonation für Zustimmung sind ein breiter, allerdings insgesamt hoher Frequenzbereich, zunächst ansteigend, dann abfallend. Wenn Erwachsene dagegen ein Verbot bzw. eine Warnung ausdrücken wollen, sprechen sie mit einer niedrigen Frequenz in abrupten staccato Tönen, zunächst leicht ansteigend, dann abfallend. Das Muster für Vokalisierung, die die Aufmerksamkeit des Babys erregen sollen, ist durch eine steigende Tonhöhe gekennzeichnet. Wenn Erwachsene dagegen ein Baby beruhigen, sprechen sie in einer niedrigen Tonhöhe  und in einem eigenen Frequenzbereich, mit etwas fallender Intonation und in legato Tönen.

         (Szagun 1996, S. 188)

      Das  Muster beweist, dass das Kind noch keine Wörter kennt, es weiß jedoch, dass z.B. mit niedriger Stimme, die anfangs ansteigend, dann abfallend ist, etwas Schlechtes signalisiert wird (Der Erwachsene gibt ihm eine Warnung oder ein Verbot). Das Muster der Intonation und der Satzmelodie ist in verschiedenen Kulturen, wenn es um bestimmte Mitteilungen geht, annähernd gleich.

Am Ende des ersten Lebensjahres versteht das Kind immer mehr Wörter, sein Wortschatz ist aber noch arm und das Kind ist noch nicht in der Lage, die Sätze selbst zu formulieren. Es beherrscht die Sprache in der passiven Form. In dem 18. Lebensmonat steigt der Wortschatz des Kindes bis zu 50 Wörtern.

Im Alter von 3 Jahren soll das Kind sprechen, jedoch das ist keine starre Norm.  In dieser Zeit verwendet es einfache Adjektive, Verben und Präpositionen.  Mit 4-5 Jahren ist die Sprache schon verständlich, die Kinder können ein Gespräch führen, nur längere Wörter machen weiterhin Schwierigkeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3.    die artikulation

 

            In diesem Kapitel beschäftigen wir mit der Artikulation der Laute. Zuerst präsentieren wir die Teildisziplinen der Phonetik,  die u.a. Laute und ihre Bildung zum Gegenstand hat; im weiteren Teil gehen wir auf die Fragen, die mit der Entstehung der laute, ihrer Gliederung und Klassifizierung verbunden sind.

            Mit der Artikulation befasst sich die Phonetik, die man in drei Disziplinen einteilen kann:

      1. die artikulatorische Phonetik (beschäftigt sich mit der Erzeugung von Lauten mit Hilfe der menschlichen Sprechwerkzeuge);

       2. die akustische Phonetik (befasst sich mit der Analyse der physikalischen Eigenschaften von Lauten);

      3. auditive Phonetik (beschäftigt sich mit der Wahrnehmung von Lauten durch das Ohr, den Gehörgang und das Hörzentrum im Gehirn.)

Wir werden uns besonders auf die erste Teildisziplin konzentrieren, weil sie wesentlich bei der Aussprache und auch bei der Sprachentwicklung ist.

      Bei der Artikulation spielt der Sprechapparat, der in ständiger Bewegung ist, eine wichtige Rolle. Mit Hilfe des Sprechapparats und aller Sprechorgane werden die Laute artikuliert. Nicht alle Sprechorgane in der Mundhöhle sind aber beweglich. Unter den Artikulationsorganen unterscheidet man passive und aktive Organe. Passive Sprechwerkzeuge befinden sich am Oberkiefer und dazu gehören:

ü     Oberlippe

ü     Oberzähne

ü     Zahndamm

ü     Vordergaumen (harter Gaumen)

ü     Hintergaumen (Gaumensegel, weicher Gaumen)

ü     Zäpfchen

      Zu den Artikulationsorganen, die sich am Unterkiefer befinden und als aktive Organe bezeichnet werden, gehören:

ü     Unterlippe

ü     Zunge (Zungenspitze, Zungenblatt, Zungenrücken)

      Jedes Sprechwerkzeug  nimmt an dem Lautbildungsprozess teil. Besonders die beweglichen Artikulatoren können verschiedene Formen annehmen. Die Zusammenarbeit von Zunge und Lippen spielt eine große Rolle bei der Artikulation. Beata Miko³ajczyk hat die Arbeit und die Möglichkeiten der aktiven Artikulationsorgane auf folgende Art und Weise beschrieben:

… die Lippen werden gegründet oder gespreizt. Bei der  Rundung kommt es gleichzeitig zur Vorstülpen der Lippen, bei der Spreizung ziehen sie sich automatisch zurück. Gelegentlich verhalten sich die Lippen passiv, d.h. sie werden weder gerundet noch gespreizt.

Die Zunge, der größte und aktivste Artikulator, bewegt sich nach vorn und nach hinten, sie kann sich heben (in Richtung des Gaumens) oder senken, dann liegt sie abgeflacht.

   (Miko³ajczyk 2005, S. 56)

      Die Zungenstellung im Mundraum hat große Bedeutung, besonders bei der Artikulation der Vokale.  Die Vokale (Selbstlaute) gehören zusammen mit Konsonanten (Mitlaute) zu Lauten. Die Vokale werden sowohl nach dem Klang (offene und geschlossene Vokale) als auch nach der Länge (kurze und lange Vokale) eingeteilt. Es gibt auch einfache Vokale (Monophthonge) und Doppelvokale (Diphthonge).  Laute sind akustische, artikulatorische, lineare Elemente der gesprochenen Sprache. Graphisch kann man die Zungenstellung bei der Vokalbildung als ein Vokalviereck darstellen.  

Das Vokalviereck präsentiert die Klassifizierung der Vokale nach Artikulation in der Mundhöhle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 2. Artikulationsorgane mit Vokalviereck im Mund (DUDEN-Grammatik 2005, S.27)

Unten wird  das Vokalviereck  von IPA‘ noch genauer präsentiert

 

 

 

$

 

 

 

 

 

 

Bild 3. Vokalviereck der IPA‘ (DUDEN-Grammatik 2005, S. 28)

 

      Jeder Vokal hat seinen Platz im Vokalviereck, der auch der Zungenstellung entspricht. Abhängig von der Richtung der Zungenstellung gibt es unterschiedliche Vokale: geschlossene oder obere Vokale entstehen bei der Hebung der Zunge gegen den Oberkiefer. Die Zunge senkt sich mit dem und    gegen den Unterkiefer und der Mund öffnet sich auf diese Art und Weise entstehen offene oder untere Vokale. Vordere Vokale ergeben sich bei Bewegung der Zunge nach vorn. Bewegt sich die Zunge im Mundraum nach hinten, so entsteht ein hinterer Vokal. Ein hinterer offener Vokal gibt es bei der Senkung der Zunge in hintere Stelle. (vgl. DUDEN-Grammatik 2005, S. 27)

      Wie es schon früher genannt wurde, ist neben den Vokalen die Artikulation der Konsonanten das wichtige Element bei dem Erwerb der Sprachfähigkeit.

      Konsonanten werden nach 4 Kriterien gegliedert:

Ø      nach dem Artikulationsort (Artikulatiosstelle), dazu gehören:

o       labiale Laute (mit der Lippe artikuliert, z.B. [m])

o       dentale Laute (werden mit den Zähnen artikuliert, z.B. [f])

o       alveolar (am Zahndamm artikuliert, z.B. [t])

o       palatal (am harten Gaumen artikuliert, z.B. [ç])

o       uvular (am Zäpfchen artikuliert, z.B. [R])

o       glottal (am Kahlkopf artikuliert, z.B. [h])

 

Ø      nach der Artikulatiosart (Artikulatiosmodus) lassen sich folgende Gruppe bilden:

o       Verschlusslaute (= Plosive; Konsonante, die durch einen Verschluss im Mundraum erzeugt werden)

o       Engelaute (= Frikative; Konsonante, die dank der Reibung der Phonationsstroms zustände kommen)

o       Nasale (Konsonante, die mit der Beteiligung des Nasenraums als Resonanzraum artikuliert werden)

o       Laterale (= Seitenlaute; Konsonante, die seitlich der Zunge artikuliert werden)

o       Vibranten (= Schwinglaute; Konsonanten, bei deren Artikulation die Zunge oder das Zäpfchen in eine zitternde Bewegung versetzt wird)

 

Ø      nach dem artikulierenden Organ (Artikulator); dieses Kriterium befasst sich mit der Position und Bewegung des artikulierendes Organs. Dabei entstehende Laute werden wie folgt eingeteilt:

o       prädorsale Laute (z.B. [ç])

o       mediodorsale Laute (z.B. [k])

o       postdorsale Laute (z.B. [x])

o       koronale Laute (z.B. [t])

o       labiodentale Laute (z.B. [f])

o       biabiale Laute (z.B. [m])

o       gottale Laute (z.B. [h])

 

Ø      und nach der Beteiligung der Stimmlippen; bezüglich der Stimmbänder werden 2 Klassen unterschieden:

o       stimmlose Konsonanten (ohne Aktivität der Stimmbänder artikuliert, z.B. [p], [f])

o       stimmhafte Konsonanten (mit Schwingungen der Stimmlippen artikuliert, z.B. [b], [v], und Sonorante wie z.B.: [m], [n], [R])

         (vgl. Miko³ajczyk, 2005, S. 72-73; DUDEN-Grammatik 2005, S. 22-26)

Die Entstehung der Konsonanten kann man graphisch präsentiert.

 

1.        Zwischen den Lippen: b, p, m

2.        Zwischen Unterlippe und oberen Schneidezähnen: f, w

3.        Zwischen Zungenspitze und Alveolardamm: s, n, d, t, l

4.     Zwischen Zungenmitte und Gaumen: sch, j, ch (Wie Milch)

5.     Zwischen Zungenrücken und hinterem Gaumen: g, k, ch (Wie Rauch)

6.     Zwischen Zungenrücken und Zäpfchen: r

7.     Im Kahlkopf: h

 

Bild 4.  Die Bildungsstellen der Konsonanten (vgl. Hellrung 2002, S. 28)

Zusammenfassend kann man die Artikulation der Laute in einer Tabelle mit der Einteilung nach Artikulationsart und Artikulationszone  darstellen.

 

Tabelle 3.  Tabelle zur Phonetik der Laute – Konsonanten

 

I.

(Lippen, Zähne)

II.

(Vorderzunge, Gaumen)

III.

(Hinterzunge, Gaumen)

Reibelaute (Frikative)

f / w,

z / s, ch / j, sch / g*

ch*, r

Verschlusslaute (Plosive)

p / b

t / d

k / g

Nasenlaute (Nasale)

 

N

n*

Sonstige Laute

 

L

 

 

 

 

 

g* wie in Genie

ch  wie in ich

n wie in Nase

ch* wie in Dach

n* wie in Zange

 (http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm [1.10.2007])

Wie es sich aus dem obigen Material ergibt, ist die Entstehung, Artikulation der Laute (sowohl der Vokale als auch Konsonanten) kein einfacher Prozess. Bevor ein Mensch erste Laute ausspricht, hat er begrenzte Möglichkeiten, sich zu kommunizieren, deshalb sind das am Anfang Schrei, Quicken, Weinen usw.  Die Lautenentwicklung bei den Kindern beginnt mit etwa 6 Monaten. In der Zeit lernt es die Artikulation, die Aussprache der Laute sowie die Intonation.

Im vierten und fünften Lebensmonat  spielt das Baby mit eigener Stimme und experimentiert mit ihrer Zunge und Lippen, z.B. mit der Lautstärke oder mit der Tonhöhe.

Zunächst lernt das Kind die Laute, die vorn im Mund und mit Hilfe der Lippen gebildet werden. Dann versucht es die Laute, die weiter hinten im Mund entstehen, zu artikulieren. Anfangs werden die neu erworbenen Laute im An- und Auslaut eines Wortes gebraucht, bevor sie im Inlaut auftreten. Wie z.B. für    geschlossenes langes e [e:] im eben und Tee  (also im An- und Auslaut) ist es leichter als im Wort Dresden (Inlaut) auszusprechen. Die Zwischenlaute und komplizierte Konsonantenverbindungen erlernt das Kind in Regel als letzte Laute. (vgl. http://www.sprach-heilberater.de/Sprachentwicklung.htm [ 1.10.2007])

Sukzessiv kontrolliert das Kind die artikulierten Laute sowie die Tonhöhe oder den Stimmklang. Mit ca. 6 Monaten verbindet es schon bewusst die Laute, so entstehen verschiedene Silbenketten wie: bababa. Auch Uta Hellrung schreibt darüber wie folgt:

Im fünften bis achten Monat produzieren Kinder Unmengen von Silben, so dass sich die Verbindungen aus Konsonanten und Vokalen festigen. Allmählich gewinnen die Kinder immer mehr Kontrolle über ihre Lautproduktionen. Tonhöhe, Lautstärke und Stimmklang entstehen jetzt nicht mehr zufällig, sondern werden immer kontrollierter eingesetzt.

          (Hellrung 2002, S. 29)  

 

Mit dem Alter erkennt und lernt das Kind einzelne Laute, um sie später leicht verwenden zu können.

Wenn man die Artikulation vom Standpunkt der einzelnen Laute in ganzen Wörtern oder Sätzen analysiert, beobachtet man, dass die meisten Drei- und Vierjährigen sowohl die vorne im Mund gebildeten Laute wie b, d, m, n.., als auch Konsonantenverbindungen wie: bl-, dn-, pf- aussprechen.  Die Laute g und k,  die schwieriger zu erlernen zu sein scheinen, werden weiter hinten im Mund gebildet und  oft durch d und t ersetzt. Die  >Zischlaute<  s und sch werden meist im fünften oder sechsten Lebensjahr, also am Ende der Lautentwicklung  erworben.

      Zusammenfassend: Um die Muttersprache gut zu beherrschen, ist es wichtig, phonologische Regeln zu beachten. Das phonologische System einer Sprache sollte ein Kind prinzipiell mit etwa fünf Jahren in ausreichendem Maße erwerben, um alle Phoneme mit ihrer bedeutungsunterscheidenen Funktion entsprechend zu verwenden. Im fünfen und sechsen Lebensjahr sollte ein Kind sowohl alle Laute seiner Sprache bilden können, als auch die Regeln des Lautsystems völlig gewonnen haben.  (ebenda, S. 32-33)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4.    satzbau

 

Bevor man sich mit dem Satzbau bei den Kindern beschäftigt, muss man eine Frage stellen: Was ist ein Satz? Eine Definition aus Duden lautet: „Satz ist die größte Einheit, die man nach den Regeln der Syntax erzeugen kann; abgeschlossene Einheit mit einem finiten Verb und allen dazugehörigen Ergänzungen.“ (DUDEN-Grammatik 2005, S. 1269) Um einen Satz zu bauen, muss man sowohl ausreichenden Wortschatz besitzen als auch die Syntaxregeln kennenlernen.

Es ist offenbar, dass ein Kind, das 1 Jahr alt ist, die Regeln der Satzlehre nicht kennt. Nach dem 1-1,5 Lebensjahr beginnt das Kind erst einzelne Worte zu sprechen. Schon ein Wort kann für das Kind ganze Satzfunktion erfüllen. Das Kind kann auch nur zwei Wörter, die es spricht, für ganzen Satz halten. Im ersten Fall spricht man von den so genannten „Ein-Wort-Sätzen“, d.h. ein Wort kann viele verschiedene Bedeutungen haben, die in der  Erwachsenensprache üblich durch veränderliche Satzkonstruktionen geäußert werden. Das Wort „Puppe“ kann beispielwiese solche Sätze wie: „Ich habe die Puppe“, „Wo ist die Puppe?“, „Die Puppe ist kaputt“ äußern. Solcher Meinung ist auch Hannelore Grimm, die ähnliches Beispiel in ihrer „Strukturanalytischen Untersuchung der Kindersprache“ gegeben hat:

 So steht z.B. das Wort >>Ball< für die Sätze >Ich will den Ball<, >Dort ist der Ball<, >Der Ball ist schön< usw. 

            (Grimm 1973, S. 26)

Zwischen dem 18. Monat und dem 2. Lebensjahr kann man eine sehr schnelle Wortschatzerweiterung des Kindes beobachten. Die „Ein-Wort-Sätze“ wandeln sich schon in „Zwei-Wort-Sätze“, die aber teilweise noch fehlhaft sind. In dieser Zeit verstehen die meisten Kinder einen großen Teil der täglich gehörten Äußerungen. Immer noch werden aber Passivsätze falsch verstanden, besonders wenn sie abstrakte Sachverhalte darstellen. Auch das Verstehen der Dimensionen Raum und Zeit ist sehr wichtig, vor allem bei der Benutzung von Präpositionen wie: zwischen, auf, neben, an, bei. Mit etwa zweieinhalb bis drei Jahren können fast alle Kinder Präpositionen verstehen. (vgl. Hellrung 2002, S. 19-20)

Mit  3. Lebensjahr verwenden die Kinder  schon einige  Fragewörter wie: wer,  was, wo, warum und können einfache Sätze formulieren. Im Alter von etwa 4 Jahren können die meisten Kinder auch Nebensätze bilden. Die Satzkonstruktion ist aber  zum Teil noch nicht richtig. (vgl. http://www.Sprach-heilberater.de /Sprachentwicklung.htm [1.10.2007])

Wie es schon früher  erwähnt wurde: um einen vollen Satz zu bauen, muss das Kind den ausreichenden Wortschatz besitzen. Den Wortschatz braucht es nicht nur um die richtigen Sätze zu bilden, sondern auch  um die Sätze zu verstehen. Mit Verlauf der Sprachentwicklung lernen die Kinder nach und nach die richtige, korrekte Sprache. Am längsten dauert die Beherrschung der Grammatik, bis ein Kind die Verb-Zweistellung erkennt und anwendet, sowie die Subjekt-Verb-Kongruenz, bei deren es das Verb passend zu der Person konjugiert (z.B. zur zweiten Person – du hast).

Erst mit ca. 7 Jahren beherrschen die Kinder die korrekte Sprache, ständig erweitern sie den Wortschatz, die Passivsätze sind schon verständlich (auch solche mit einem sehr abstrakten Inhalt)

Die Erkenntnisse, die in der Fachliteratur zu diesem Theme besprochen und kritisch ausgewertet wurden, werden im Folgenden in einer Tabelle zusammengefasst:

Tabelle 4. „Tabelle zur Sprachentwicklung des Kindes im Vorschulalter (Altersangaben sind Durchschnittswerte und keine starre Normen)

Alter

     Aussprache

Wortschatz

Satzbau

ca. 0 Monate

Schreien, Gurren

 

 

ca. 2

Monate

Beginn der 1. Lallphase, Gurgel- und Sprudellaute (von taktilen Reizen im Mund gesteuert)

 

 

ca. 4

 Monate

Schmatz- und Zischlaute, Vokallaute, erste Silben

 

 

ca. 6

 Monate

Beginn der 2. Lallphase (vom Hören gesteuert) Silbenketten: bababa

 

 

ca. 12 Monate (~1 Jahr)

Lallen, große Vielfalt an Lauten, Echolalie

Erste Wörter, Silbenverdoppelungen, Papa, Mama, Babysprache

 

ca. 18 Monate (~1 ½ Jahr)

p, b, m, n                             Kind fängt an erste Laute gezielt zur Wortbildung einzusetzen

Einzelne Wörter,      z. B.:                     wauwau, Ball

Einwortsätze               (mit unterschiedlicher Betonung)

ca. 24 Monate (~2 Jahre)

w, f, t, d                                     Laute der 1. und 2. Artikulationszone kommen hinzu

Bis zu 50 Wörter, primär Nomen sowie erste Verben und Adjektive

1. Fragealter (mit Satzmelodie)    Zwei- und Dreiwortsätze, sie sind grammatisch noch nicht richtig

ca. 2 ½

Jahre

g, k, ch, r                             Laute der 3. Artikula-tionszone kommen hinzu

Wortschatz wird weiter stark ausgebaut, Wortneuschöpfungen, erster Gebrauch von „ich

Mehrwortsätze (Anstieg), Endungen von Nomen und Verben noch nicht richtig

ca. 3

 Jahre

bl-, kn-, kr-, gr,…                     erste schwierige Konsonantenverbindungen

Starke Zunahme des Wortschatzes

2. Fragealter (wer, wie, was, warum,…); einfache Sätze richtig, erste Nebensatzbildungen.

ca. 4

 Jahre

Beherrschung der Laute der Muttersprache bis auf evtl. Zischlate (s, z, sch) und schwierige Konsonantenverbindungen (kl-, gl-, dr-, br-)

Wortschatz nimmt stark zu (u.a. Farben und Pronomen)

Bildung längerer Sätze, schwierige Konstuktionen teilweise noch nicht normgerecht, Nebensätze.    

ca. 6

 Jahre

Beherrschung aller normgerechten Laute

Wortschatz groβ genug zum differenzierten Ausdruck, abstrakte Begriffe werden kindgemäß sicher verwendet

Grammatik wird gut beherrscht, Gedankengänge können beschrieben werden (mehrere Zeit- und Pluralformen). Nacherzählen/ Berichten von Erlebnissen und Geschichten.

    ( http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm [1.10.2007])

 

Zusammenfassend: die Beherrschung der Sprache und ihrer Regeln ist ein langer Prozess. Das Kind lernt das Kommunizieren schon in der pränatalen Periode. Mit der Zeit lernt es einige Wörter artikulieren, um später Sätze zu bilden und schließlich eine fehlerlose Äußerung zu schaffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5.    schlusswort

Während der Analyse des Sprachentwicklungsprozesses, erweist sich, dass ein Prozess der Sprachentwicklung lang anhaltend ist und von verschiedenen Faktoren abhängt, wie z.B.: von der Bildung der Hör-, Sprech oder Stimmorgane.

Analyse der Texte von Uta Hellrung weist darauf hin, dass ein Kind schon in dem pränatalen Zeitraum sein Sprachlernen beginnt. Noch vor der Geburt beginnt der Dialog zwischen Fötus und Mutter. Und auch während des Embryolebens eignet sich das Kind die Prosodie der Muttersprache an.

Eine Fähigkeit des verbalen Kommunizierens wird zusammen mit der Artikulationsfähigkeit von bestimmten Lauten, mit dem Wortschatz und mit der Grammatik erworben.

Die Sprachentwicklung, wenn man noch die pränatale Periode dazu zählt, könnte man in 4 Phasen einteilen:

ü      die Aneignung der Sprachprosodie (in der pränatalen Zeit);

ü      das Verstehen der Absichten des Redners ohne Sprechfähigkeit;

ü      das Aussprechen der ersten Laute ohne Verständnis ( auch Silbenkette);

ü      bewusste Artikulation der ersten Wörter und dann verschiedener Sätze.

     Da der Spracherwerb, ein schwieriger Prozess ist, sollen (besonders) die Eltern viel Geduld für ihre Kinder haben und ein Sprachvorbild  für sie sein.

 

 

 

Literaturverzeichnis

 

DUDEN (2003): Deutschen Universalwörterbuch, Mannheim, CD-ROM.

DUDEN-Grammatik (2005): Die Grammatik, Dudenverlag, Mannheim [u.a.].

Gipper, Helmut (Hrsg.) (1985): Kinder unterwegs zur Sprache: zum Prozeβ der Spracherlernung in den ersten 3 Lebensjahren, Pädagogischer Verlag Schwann-Bagel GmbH, Düsseldorf.

Grimm, Hannelore (2003): Strukturanalytische Untersuchung der Kindersprache, Verlag Hans Huber, Bern/ Stuttgart/ Wien.

Hellrung, Uta (2002): Sprachentwicklung und Sprachförderung. Ein Leitfaden für die Praxis, Herder Verlag, Freiburg.

Jugend Lexikon(2004) Bertelsmann Lexikon Institut:, Wissen Media Verlag GmbH, Gütersloh.

Lipczuk, Ryszard/ Mecner, Pawe³/ Westphal, Werner (1999): Lexikon der modernen Linguistik. Ausgewählte Begriffe zur Kommunikation und Kognitionswissenschaft, Wydawnictwo Promocyjne „Albatros“, Stettin (Szczecin).

Miko³ajczyk, Beata (2005): Deutsche Grammatik. Eine Einführung. Teil 1. Grundbegriffe. Phonetik und Phonologie, Oficyna Wydawnicza Wy¿szej Szko³y Jêzyków Obcych w Poznaniu, Posen (Poznañ).

Schmid-Bakow, Ingrid (1999): Kinder lernen Sprache sprechen, schreiben, denken: Beobachtungen zur Schrifterfahrung und Sprachbewusstheit bei Schulanfängern mit Sprachentwicklungsstörungen, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main.

Von Suchodoletz, Waldemar (Hrsg.) (2001): Sprachentwicklungsstörungen und Gehirn, Stuttgart.

Szagun, Gisela (1996): Sprachentwicklung beim Kind, Verlags Union, Weinheim.

Webseiten:

http://www.adalexpsychologia.web-park.pl/felis3.doc [15. 12. 2007]

http://www.sprachheilberater.de/ Sprachentwicklung.htm [1.10.2007]

www.home.schule.at/teacher/froschauer/Doks/Shannon%20&%20Weaver. doc  [30. 05. 2008])